Wo liegt der Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 10:07 (19 days ago)

Hallo,

Ich habe vor einem Jahr mal ein Netz versucht mit Jag3D frei auszugleichen:

https://software.applied-geodesy.org/forum/?id=144

Habe das mal auf Eis liegen lassen und mich jetzt nochmals dran gewagt.

Ich habe wie du (Michael) gesagt hast die Mehrfachmessungen(Satzmessungen) gemittelt. Ein paar Winkelmessungen waren zwischen 3-5 mgon und dementsprechend habe ich diese Messungen dann vor der Mittelung deaktiviert.

Nach der Ausgleichung ist mir bei einem Punkt den ich beim Schleifenschluss nochmal neu zwangszentrieren musste aufgefallen das recht hohe Tprio Werte vorliegen (>16). Da liegt wahrscheinlich dann ein Zentrier-/Horizontierfehler vor. Habe dann die Winkelbeobachtung deaktiviert (Punkt 12 nach Punkt 1).

Nun habe ich bei der Gesamtausgleichung für die HZ-Winkel: 1.53, oa=0.9, oc=1.69

und für die Horizontalstrecken: 0.12, oa=0.12, oc=0.16

Das bedeuted das die Streckenmessgenauigkeit besser ist als erwartet und die Winkelmessgenauigkeit etwas schlechter.

Die Redundanzanteile r sind nun vorwiegend unter 0,1 da nach der Mittelung weniger Beobachtungen vorhanden sind. Also nicht sehr gut kontrolliert :-s...

Ist nun meine Netzkonfiguration zu schlecht? was könnte ich noch verbessern?

Würdest du immer zusätzlich noch von freien Standpunkten aus die Redundanz erhöhen?

Ich sehe auch keine Fehlerellipsen und die Konfidenzellipsen sind riesig...

hier nochmal der Datensatz inkl. JXL-Datei: https://dateitransfer.reutlingen.de/?ShareToken=B98D93A94C1501E210597922A780DCEDA98FD296

Grüße

Julian

Welcher Fehler?

by Micha ⌂ @, Thursday, August 01, 2019, 12:05 (19 days ago) @ StuEv

Hallo,

Da liegt wahrscheinlich dann ein Zentrier-/Horizontierfehler vor. Habe dann die Winkelbeobachtung deaktiviert (Punkt 12 nach Punkt 1).

Dadurch ist dieser Satz aber unbrauchbar geworden. Dieser enthält ja nur noch die Messung 12 nach 11.

Nun habe ich bei der Gesamtausgleichung für die HZ-Winkel: 1.53, oa=0.9, oc=1.69

und für die Horizontalstrecken: 0.12, oa=0.12, oc=0.16

Das bedeuted das die Streckenmessgenauigkeit besser ist als erwartet und die Winkelmessgenauigkeit etwas schlechter.

Hast Du das Modell schon abgestimmt oder einfach die Standardwerte gelassen? Wenn man die angenommenen Unsicherheiten der Streckenmessung ein wenig optimiert (0,7 mm / 2 ppm), dann erhalte ich folgendes Ergebnis

[image]

Die Redundanzanteile r sind nun vorwiegend unter 0,1 da nach der Mittelung weniger Beobachtungen vorhanden sind. Also nicht sehr gut kontrolliert :-s...

Ja, das liegt in der Natur der Sache, wobei nach der Abstimmung die Redundanzen sich leicht erhöhen, da die Streckenmessung nun mehr Einfluss nehmen darf (Genauere Messungen kontrollieren die ungenaueren).

Ist nun meine Netzkonfiguration zu schlecht? was könnte ich noch verbessern?

Das lässt sich so nicht beantworten. Ich gehe mal davon aus, dass man bspw. Messungen von 10 nach 4 nicht durchführen kann aufgrund topographischer Gegebenheiten. Ich persönlich würde versuchen, reine Polygonzüge zu vermeiden und die Anzahl der sichtbaren Ziele zu erhöhen (wenn es die Örtlichkeit zulässt). Dann hast Du nicht das Problem, dass der gesamte Satz verloren geht in der Auswertung, wenn eine Beobachtung fragwürdig erscheint - wie jetzt beim Satz 12.

Würdest du immer zusätzlich noch von freien Standpunkten aus die Redundanz erhöhen?

In den Projekten, die wir haben, messen wir fast ausnahmslos freie (unvermarkte) Standpunkte. Ausnahmen gibt es sicher z.B. wenn Messpfeiler zur Verfügung stehen aber das wird in Deinem Fall bzw. allgemein sicher nicht so sein.

Ich sehe auch keine Fehlerellipsen und die Konfidenzellipsen sind riesig...

Das verstehe ich nicht. JAG3D plottet nur die einfachen Fehlerellipsen. Wenn Du die etwas größer dargestellt haben willst, musst Du den Maßstab oben verändern. Ich habe mal 5000:1 eingestellt und dann sieht es so aus

[image]


Viele Grüße
Micha

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Welcher Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 12:14 (19 days ago) @ Micha

Dankeschön für die schnelle Antwort :)!

Deine Bilder sehe ich leider nicht. Entweder ein Browser oder Websiteproblem.

Du sagtest, das eure Projekte vorwiegend mit freien Standpunkten gemessen werden. Messt Ihr dann die eigentlichen Neupunkte für spätere Stationierungen mehrfach von den freien Standpunkten ein?(z.B. Messmarken oder Nägel) Und werden diese dann ganz normal als Neupunkte behandelt?

Ich habe das im Studium noch klassisch gelernt mit Zwangszentrierung etc. aber mit freien Standpunkten hat man dann natürlich ne Zeitersparnis und keine Zentrierfehler...

Ich probiere mal bei mir die Werte aus und dann mal sehen was rauskommt :).

Grüße

Welcher Fehler?

by Micha ⌂ @, Thursday, August 01, 2019, 12:41 (19 days ago) @ StuEv

Hallo,

Deine Bilder sehe ich leider nicht. Entweder ein Browser oder Websiteproblem.

Direktlinks sollten https://ibb.co/VYcnfc2 und https://ibb.co/KWWmvgF sein.

Messt Ihr dann die eigentlichen Neupunkte für spätere Stationierungen mehrfach von den freien Standpunkten ein?(z.B. Messmarken oder Nägel) Und werden diese dann ganz normal als Neupunkte behandelt?

Die Stationen messen wir von anderen Stationen i.d.R. mit ein. Es sind daher keine echten freien Standpunkte mehr. Jeder Standpunkt wird dann auch als Neupunkt behandelt. Wir vermarken diese Punkte üblicherweise nicht. Diese Herangehensweise haben wir praktisch aus der industriuellen Messtechnik übernommen. Ein Lasertracker wird nicht zwangszentriert, sodass dieser nur frei zu Positionieren ist.

Ich habe das im Studium noch klassisch gelernt mit Zwangszentrierung etc. aber mit freien Standpunkten hat man dann natürlich ne Zeitersparnis und keine Zentrierfehler...

Wenn wir hohe Genauigkeiten erzielen wollen, zentrieren wir schon die Punkte mit einem optischen Lot. Wir besetzen es aber nicht zwingend auch mit dem Instrument. Zentrierunsicherheiten bleiben also bestehen.

Ich probiere mal bei mir die Werte aus und dann mal sehen was rauskommt :).

Pierre hat ja praktisch die selben empfohlen. ;-) Ich habe übrigens nur das JAG3D Projekt verwendet und nicht die Rohdaten.

Viele Grüße
Micha

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Welcher Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 13:07 (19 days ago) @ Micha

Direktlinks sollten https://ibb.co/VYcnfc2 und https://ibb.co/KWWmvgF sein.

hat geklappt, liegt an der bösen Firewall :D

Die Stationen messen wir von anderen Stationen i.d.R. mit ein. Es sind daher keine echten freien Standpunkte mehr. Jeder Standpunkt wird dann auch als Neupunkt behandelt. Wir vermarken diese Punkte üblicherweise nicht. Diese Herangehensweise haben wir praktisch aus der industriuellen Messtechnik übernommen. Ein Lasertracker wird nicht zwangszentriert, sodass dieser nur frei zu Positionieren ist.

Ich verstehe ;). Die Zentrierung über die elekronische Libelle scheint also doch noch nicht an optische Lote ranzukommen. Aber Ihr müsst ja schon irgendwo etwas vermarken sonst kann ja später bei einer Zweitmessung(falls benötigt) nicht stationiert werden?
oder werden die Punkte der gemessenen Objekte einfach mit in die Ausgleichung geworfen :)?

Habe nun mal alle Punkte als Lagedatumspunkte ausgeglichen und jetzt scheint das super zu passen :). Macht es einen großen Unterschied ob man alle Punkte als Lagedatumspunkte verwendet oder nicht? Die Ausgleichung bleibt mit beiden Varianten immer noch eine freie Ausgleichung...

Grüße und vielen Dank

Welcher Fehler?

by Micha ⌂ @, Thursday, August 01, 2019, 13:20 (19 days ago) @ StuEv

Hallo,

Die Zentrierung über die elekronische Libelle scheint also doch noch nicht an optische Lote ranzukommen.

Mit einem optischen Lot schafft man ca. 0,3 mm Zentriergenauigkeit. Ob man das auch mit einem dicken roten Laserstrahl hinbekommt?

Aber Ihr müsst ja schon irgendwo etwas vermarken sonst kann ja später bei einer Zweitmessung(falls benötigt) nicht stationiert werden?

Wenn wir mit dem Tracker arbeiten? Ja, da nutzen wir Drift-Nester. Diese halten unsere Kugelreflektoren magnetisch. Der Mittelpunkt des Kugelreflektors ist unser Referenzpunkt. Es gibt also keine Vermarkung, die exzentrisch signalisiert wird.

oder werden die Punkte der gemessenen Objekte einfach mit in die Ausgleichung geworfen :)?

Ja. Wir unterscheiden nicht zwischen Netzmessung und einer Objektmessung und werten i.d.R. alles zusammen aus.

Macht es einen großen Unterschied ob man alle Punkte als Lagedatumspunkte verwendet oder nicht?

Für die innere Netzgeometrie macht es keinen Unterschied. Dennoch ist es unüblich bspw. freie Standpunkte zur Datumsbildung zu verwenden - denke ich.

Viele Grüße
Micha

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Welcher Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 14:44 (19 days ago) @ Micha

Mit einem optischen Lot schafft man ca. 0,3 mm Zentriergenauigkeit. Ob man das auch mit einem dicken roten Laserstrahl hinbekommt?

Nein!!! Aber gibt auch auch Dreifüße mit eingebautwem optischem Lot, aber über die Zentriergenauigkeit lässt sich streiten :).

Wenn wir mit dem Tracker arbeiten? Ja, da nutzen wir Drift-Nester. Diese halten unsere Kugelreflektoren magnetisch. Der Mittelpunkt des Kugelreflektors ist unser Referenzpunkt. Es gibt also keine Vermarkung, die exzentrisch signalisiert wird.

Mich interessiert die Industrievermessung aber bei mir in der Gegend (Stuttgart) gibt's da nicht viele Firmen (glaube ich zumindest). Würde am liebsten mal reinschnuppern :).

Danke auf jedenfall für die tollen Tipps!

Gibt es eigentlich ein Tutorial wie mit Jag3D eine Netzplanung durchgeführt wird?

Als Beobachtungsgrößen kann man für den Zweck in erster Linie nur Näherungskoordinaten und Punktrelationen angeben da ja noch keine Beobachtungen vorliegen.

Eine Idee wäre hier ein Luftbild zB. zu hinterlegen und die Netzpunkte beliebig in der Grafik zu bestimmen/verschieben.

Grüße

Julian

Welcher Fehler?

by Micha ⌂ @, Thursday, August 01, 2019, 15:04 (19 days ago) @ StuEv

Hallo,

Nein!!!

Habe gerade nachgeschaut, 0,5 mm (auf 1,5 m) wird für das GZR3 angegeben (das sind 0,3 mm auf 1 m).

Aber gibt auch auch Dreifüße mit eingebautwem optischem Lot, aber über die Zentriergenauigkeit lässt sich streiten :).

Nein, ein festeingebautes Lot meine ich nicht. Es muss sich in jedem Fall drehen lassen.

Gibt es eigentlich ein Tutorial wie mit Jag3D eine Netzplanung durchgeführt wird?

Nein aber es ist ähnlich zu einer klassischen Netzmessung - nur dass Du keine exakten Messwerte benötigst.

Viele Grüße
Micha

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Welcher Fehler?

by Pierre, Thursday, August 01, 2019, 15:52 (19 days ago) @ StuEv

Laserlot: ca. 1,5 mm auf 1,5 m. Die optischen Lote im Dreifuß sind auch mit 0,5 mm auf 1,5 m spezifiziert.

Wenn diese in Ordnung sind, kann man das auch ohne Probleme erreichen. Da man die Lote aber nicht drehen kann sind sie nur schwer zu überprüfen … wird von vielen gar nicht gemacht und dann hat man den Salat.

Die ganze Zubehör-Geschichte macht viel viel mehr aus, als man denkt … wird aber leider viel zu oft unterschätzt.

Welcher Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 15:55 (19 days ago) @ Pierre

Laserlot: ca. 1,5 mm auf 1,5 m. Die optischen Lote im Dreifuß sind auch mit 0,5 mm auf 1,5 m spezifiziert.

Wenn diese in Ordnung sind, kann man das auch ohne Probleme erreichen. Da man die Lote aber nicht drehen kann sind sie nur schwer zu überprüfen … wird von vielen gar nicht gemacht und dann hat man den Salat.

Die ganze Zubehör-Geschichte macht viel viel mehr aus, als man denkt … wird aber leider viel zu oft unterschätzt.

richtig!

Ich habe vor der Netzmessung unser optisches Lot an einer Testsäule mit den Stellschrauben korrigiert. War ein ganz schönes Gefummel weil alles spiegelverkehrt ist :-D .

Wo liegt der Fehler?

by Pierre, Thursday, August 01, 2019, 12:12 (19 days ago) @ StuEv

Hallo Julian,

ich habe dein Netz mal als Gesamtspurminimierung (volle Auffelderung), d. h. alle Punkte geben näherungsweise das geod. Datum vor, berechnet. Zusätzlich habe ich alle Beobachtungen aktiviert!

stochastisches Modell:
Richtungen: $\sigma_a$ = 1 mgon, $\sigma_c$ = 0,5 mm
Strecken: $\sigma_a$ = 0,8 mm, $\sigma_c$ = 0 mm

Das Ergebnis ist ok, keine Ausreißer ... Konfidenz-/Fehlerellipsen ziemlich gleichmäßig und die Redundanzanteile sind alle über 0,1. Also eigentlich keine Probleme!?;-)

Ich glaube Du hast hier dein stochastisches Modell einfach sehr ungünstig gewählt! Wo kommen denn deine apriori-Annahmen für die Messunsicherheit her?

Ich würde mit den Ergebnissen eine Netzsimulation (Planung) berechnen und mir erstmal anschauen, was, wie und ob es sich lohnt "mehr zu messen".

Viele Grüße
Pierre

Wo liegt der Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 12:18 (19 days ago) @ Pierre

Hallo Pierre,

heißt volle Auffelderung das du alle Punkte als Lagedatumspunkte behandelst?

Hast du wie von Michael empfohlen die Satzmessungen vor der Ausgleichung gemittelt?

Vielleicht liegt bei den Ellipsen auch ein Verständnisproblem vor... Ich sehe nur die grauen Ellipsen die maßstabslos sind. Die Fehlerellpisen ollten doch kleiner sein und der Fehler abgreifbar?

Die a priori Werte habe ich standardmäßig aus JAG3D angenommen

Grüße

Julian :)

Wo liegt der Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 13:09 (19 days ago) @ Pierre

Ich glaube Du hast hier dein stochastisches Modell einfach sehr ungünstig gewählt! Wo kommen denn deine apriori-Annahmen für die Messunsicherheit her?

Ich habe die Messunsicherheiten aus dem Datenblatt unseres Tachymeters angenommen:

Winkelmessgenauigkeit: 0,3mgon und Streckenmessgenauigkeit: 1mm + 2ppm

Ist das zu optimistisch :D?

Gruß

Wo liegt der Fehler?

by Pierre, Thursday, August 01, 2019, 13:34 (19 days ago) @ StuEv

Hi,

heißt volle Auffelderung das du alle Punkte als Lagedatumspunkte behandelst?

Ja, da mir zu diesem Zeitpunkt das geod. Datum recht egal ist und mir es in erster Linie um eine stimmige (keine Ausreißer usw.) Netzgeometrie geht.

Hast du wie von Michael empfohlen die Satzmessungen vor der Ausgleichung gemittelt?

Ich habe das Projekt verwendet, welches Du zum Download angeboten hast. Da war ja nix mehr zu mitteln.

Ich habe die Messunsicherheiten aus dem Datenblatt unseres Tachymeters angenommen:

Winkelmessgenauigkeit: 0,3mgon und Streckenmessgenauigkeit: 1mm + 2ppm

Ist das zu optimistisch :D?

Da sind mir zu wenige Daten vorhanden, um dies als Aussage aus der Varianzkomponentenschätzung abzuleiten. Wenn Du die Satzmessung auswertest (getrennt) bekommst Du daraus ja eine gute Angabe über die Richtungsgenauigkeiten.

Wenn Du mit den 0,3 mgon arbeitest, bekommst Du das Problem mit dem Standpunkt 12. Bei dem würde ich beide gemessene Richtungen deaktivieren (gleiche Testgröße). Der Punkt ist dann nur über einen bescheidenen Bogenschlag mit den beiden Strecken bestimmt, so dass hier ein freier Standpunkt zur Verstrebung wirklich sinn macht.

Achso: Du hast in deinem Projekt für die Strecken konstant 2 mm + 2 ppm vorgegeben, daher auch das Ergebnis der Varianzkomponentenschätzung mit 0,12.

Viele Grüße
Pierre

Wo liegt der Fehler?

by StuEv, Thursday, August 01, 2019, 14:51 (19 days ago) @ Pierre

Da sind mir zu wenige Daten vorhanden, um dies als Aussage aus der Varianzkomponentenschätzung abzuleiten. Wenn Du die Satzmessung auswertest (getrennt) bekommst Du daraus ja eine gute Angabe über die Richtungsgenauigkeiten.

Unter Auswertung der Satzmessungen verstehst du die Mittelwertbildung?

Achso: Du hast in deinem Projekt für die Strecken konstant 2 mm + 2 ppm vorgegeben, daher auch das Ergebnis der Varianzkomponentenschätzung mit 0,12.

genau! Reichen für die Beurteilung der Genauigkeit der Netzausgleichung die Redundanzanteile aus? Oder sind die Halbachsen der Konfidenzellipse aussagekräftiger?

Tut mir leid für die vielen Fragen :)

Wo liegt der Fehler?

by Pierre, Thursday, August 01, 2019, 15:44 (19 days ago) @ StuEv

Ja, meine ich. Aus der Mittelbildung lässt sich ja einfach die Standardabweichung berechnen. Dies wird oft auch schon durch entsprechende Apps auf der Totalstation unterstützt.

Für die Genauigkeiten sind die Standardabweichungen wesentlich. Diese stecken natürlich quasi in den Fehler-/Konfidenzellipsen drinn, in Form der jeweiligen Anteile aus der Kofaktormatrix.

Redundanzanteile spielen für die Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle, da ohne Zuverlässigkeit die Angaben zur Genauigkeit zu relativieren sind.

Wo liegt der Fehler?

by StuEv, Wednesday, August 07, 2019, 13:27 (13 days ago) @ Pierre

Für die Genauigkeiten sind die Standardabweichungen wesentlich. Diese stecken natürlich quasi in den Fehler-/Konfidenzellipsen drinn, in Form der jeweiligen Anteile aus der Kofaktormatrix.

Ich hab mir diese Datei mal angeschaut.

1 X 1000.000288151899700 0 9
1 Y 999.999327671313800 1 9
12 X 923.307941600163800 2 8
12 Y 977.401368274358700 3 8
2 X 942.418946473209500 4 17
2 Y 1065.744420523578600 5 17
6 X 896.542828930262000 6 8
6 Y 1135.544095898512500 7 8
4 X 902.252054217548000 8 12
4 Y 1058.340994458178800 9 12
3 X 926.775365955333900 10 12
3 Y 1045.233575524417000 11 12
5 X 859.636764417767300 12 12
5 Y 1113.092627095520800 13 12
8 X 828.897584746525500 14 8
8 Y 1085.487306888538300 15 8
10 X 864.869865128673500 16 8
10 Y 1017.766842548416700 17 8
11 X 901.478188643068800 18 12
11 Y 989.704709098964900 19 12


beim ersten Wert für Punkt 1 ist 0=Spalte oder Zeile? Eine Spalte/Zeile 0 gibt es doch nicht?

Und für die Werte nehme ich dann die Quadratwurzel habe ich recht?


Du hattest mal etwas von einer Netzplanung erwähnt die man nach der Augleichung durchführen könnte.

Was braudche ich dazu alles? Näherungskoordinaten für die zusätzlichen Standpunkte? Wie sieht es mit den Beobachtungen aus? Wenn ich nun ein komplett neues Netz plane habe ich ja noch gar keine Beobachtungen...

Grüße

Julian

Wo liegt der Fehler?

by Pierre, Wednesday, August 07, 2019, 20:16 (13 days ago) @ StuEv

Nabend,

also mit der Datei, welche das auch immer ist, kann ich nicht wirklich was anfangen bzw. verstehe ich nicht was Du denn nun damit machen möchtest?

Für die Netzplanung benötigst Du im 2D-Netz Näherungskoordinaten für deine Punkte, Standpunkte usw. das stochastische Modell und Du musst Beobachtungen definieren. Als Beobachtung selbst kannst Du einen beliebigen Wert eingeben bspw. 0 ... d. h. Du kannst auch mit deinen originären Messwerten/ausgeglichenen Netz gemischt mit neuen geplanten Standpkt. und Beobachtungen eine Netzplanung rechnen.

Hierzu ist in JAG3D unter Einstellungen -> Ausgleichungsrechnung, dann Simulation (Netzplanung) auszuwählen. Grundsätzlich schadet ein Blick in die entsprechende Fachliteratur (z. B. Jäger et al. 2005, Niemeier 2008) ganz sicher auch nicht.

Ich hoffe das hilft Dir weiter.

Viele Grüße
Pierre

Wo liegt der Fehler?

by StuEv, Thursday, August 08, 2019, 06:55 (12 days ago) @ Pierre

also mit der Datei, welche das auch immer ist, kann ich nicht wirklich was anfangen bzw. verstehe ich nicht was Du denn nun damit machen möchtest?

Du meintest doch man kann die erreichten koordinatengenauigkeiten aus der Kovarianzmatrix ableiten. Jag3D gibt eine *.cxx datei und eine *.info Datei aus.
Mir ging es darum wie diese cxx-Datei zu lesen ist. Ich habe dann hier die Info Datei gepostet. Da es sich um die Varianzwerte handelt müsste man dann die Quadratwurzel der jeweiligen Werte berechnen.

Für die Netzplanung benötigst Du im 2D-Netz Näherungskoordinaten für deine Punkte, Standpunkte usw. das stochastische Modell und Du musst Beobachtungen definieren. Als Beobachtung selbst kannst Du einen beliebigen Wert eingeben bspw. 0 ... d. h. Du kannst auch mit deinen originären Messwerten/ausgeglichenen Netz gemischt mit neuen geplanten Standpkt. und Beobachtungen eine Netzplanung rechnen.

Perfekt, das wollte ich wissen :), also könnte ich zB in Geograf Näherungskoordinaten ermitteln und diese dann z.B. mit HZ: 0 und sD: 0 angeben. bzw. wobei für das geodätische Datum eine Strecke aus Koordinatenunterschiede ermittelt werden muss.

Kovarianzmatrix und Info-Datei in JAG3D

by Micha ⌂ @, Thursday, August 08, 2019, 20:16 (12 days ago) @ StuEv

Hallo,

Du meintest doch man kann die erreichten koordinatengenauigkeiten aus der Kovarianzmatrix ableiten.

Da diese Werte so wichtig sind, gibt JAG3D diese auf der Oberfläche bereits aus. Sie sind dort mit σ bezeichnet.

Mir ging es darum wie diese cxx-Datei zu lesen ist. Ich habe dann hier die Info Datei gepostet. Da es sich um die Varianzwerte handelt müsste man dann die Quadratwurzel der jeweiligen Werte berechnen.

Die Info-Datei gibt Dir die Punktbezeichnung, die berechnete Koordinate und den Index in der Kovarianzmatrix (also Zeile/Spalte) aus. Varianzen stehen in der Info-Datei nicht, diese stehen in der CXX-Datei. Die Datei hat einen Null-Index, d.h., die erste Zeile/Spalte in der Matrix besitzt den Index 0 (Null).

Viele Grüße
Micha

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Kovarianzmatrix und Info-Datei in JAG3D

by StuEv, Friday, August 09, 2019, 07:31 (11 days ago) @ Micha

Hallo,

Du meintest doch man kann die erreichten koordinatengenauigkeiten aus der Kovarianzmatrix ableiten.


Da diese Werte so wichtig sind, gibt JAG3D diese auf der Oberfläche bereits aus. Sie sind dort mit σ bezeichnet.

Super dann hat sich das Thema erledigt danke!

Könnte es eigentlich sein das die Werte der ersten Hauptkomponente cx und cy vertauscht sind?

wenn man sich die Pfeile im Netzplot anschaut dann wird das klar ersichtlich.

Gruß Julian :)

Kovarianzmatrix und Info-Datei in JAG3D

by Micha ⌂ @, Friday, August 09, 2019, 08:48 (11 days ago) @ StuEv

Hallo,

Könnte es eigentlich sein das die Werte der ersten Hauptkomponente cx und cy vertauscht sind?

Was ist cx und cy? Diese Bezeichnungen werden von JAG3D nicht verwendet. Bitte nutze die Nomenklatur und Notation, die JAG3D verwendet, wenn Du meinst, dass es ein Problem gibt. Die Abkürzungen a,b,c werden für die Halbachsen des Hyperkonfidenzellipsoids verwendet, welches Du sicher gerade nicht meinst. Meinst Du die ς-Werte?

wenn man sich die Pfeile im Netzplot anschaut dann wird das klar ersichtlich.

Nehmen wir dieses Beispiel. Im Plot ganz im Westen ist der Punkt 10_E1 zu sehen. Die Hauptkomponente verläuft fast ausschließlich im Rechtswert. Schaue ich in der Tabelle die numerischen Werte nach, so ist ςx = 0 und ςy ≠ 0. Beim Punkt 12_E1 ist hingegen der Betrag von ςx deutlich größer als der von ςy. Ich weiß nicht, was für Dich klar ersichtlich ist, aber offensichtlich liegt in diesem gezeigten Beispiel kein Fehler vor und die dargestellten Werte in JAG3D sind erwartungsgemäß.

[image]
[image]


Viele Grüße
Micha

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Kovarianzmatrix und Info-Datei in JAG3D

by StuEv, Friday, August 09, 2019, 10:38 (11 days ago) @ Micha

Was ist cx und cy? Diese Bezeichnungen werden von JAG3D nicht verwendet. Bitte nutze die Nomenklatur und Notation, die JAG3D verwendet, wenn Du meinst, dass es ein Problem gibt. Die Abkürzungen a,b,c werden für die Halbachsen des Hyperkonfidenzellipsoids verwendet, welches Du sicher gerade nicht meinst. Meinst Du die ς-Werte?

ja ich meine diese Were, habe nur auf die schnelle nicht die Nomenklator zur Hand gehabt, sorry.

wenn man sich die Pfeile im Netzplot anschaut dann wird das klar ersichtlich.


Nehmen wir dieses Beispiel. Im Plot ganz im Westen ist der Punkt 10_E1 zu sehen. Die Hauptkomponente verläuft fast ausschließlich im Rechtswert. Schaue ich in der Tabelle die numerischen Werte nach, so ist ςx = 0 und ςy ≠ 0. Beim Punkt 12_E1 ist hingegen der Betrag von ςx deutlich größer als der von ςy. Ich weiß nicht, was für Dich klar ersichtlich ist, aber offensichtlich liegt in diesem gezeigten Beispiel kein Fehler vor und die dargestellten Werte in JAG3D sind erwartungsgemäß.

Bei dir ist im Netzplot unten rechts der Rechtswert= x und der Hochwert= y

wenn man sich die Werte anschaut für 10_E1 und das auf den Netzplot anwendet (ςx =0.0|ςy =0.1), dann würde der Pfeil nach oben zeigen.

Darum war die Frage so gestellt, keine Kritik. Vielleicht verstehe ich da auch etwas falsch und ich muss nochmal Bücher wälzen :-).

Grüße

Koordinaten im Plot Rechts- und Hochwert vs. x und y

by Micha ⌂ @, Friday, August 09, 2019, 15:42 (11 days ago) @ StuEv

Hallo,

Bei dir ist im Netzplot unten rechts der Rechtswert= x und der Hochwert= y

DAS ist eine Fehldarstellung. ;-) Ich werde die Darstellung in der nächsten Version anpassen. Der Rechtswert ist y und der Hochwert sollte immer x sein. Im Plot bei den Live-Koordinaten habe ich das wohl vertauscht.

Viele Grüße
Micha

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Kovarianzmatrix und Info-Datei in JAG3D

by Micha ⌂ @, Friday, August 16, 2019, 18:39 (4 days ago) @ StuEv

Hallo,

Bei dir ist im Netzplot unten rechts der Rechtswert= x und der Hochwert= y

Dieser Fehler ist behoben.

Gruß Micha

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