Einstellung Zwangsausgleichung

by FA @, Tuesday, September 10, 2019, 08:42 (5 days ago)

Hallo, Michael.

Ich habe leider sehr große Schwierigkeiten mit den Einstellungen.
Ich habe viele Jahre WinKafafka genutzt und die Oberfläche/ Zuordnungen sind wesentlich anders.
Nach einiger Zeit der Selbstversuche nun meine Frage, liege ich bei den Einstellungen richtig?

-Richtungsmessgenauigkeit: 1,5 mgon (unter Hz, sigma a)
- Zielpunktexzentr.: 2 mm (unter Raumstr., NullPktAbw.)
- Streckenmessgenauigkeit: 3 mm (unter Raumstr., sigma a)
- entfernungsabh. Anteil: 3 mm/ km (generell Beob., sigma c(d))
- ZenitGenauigkeit: 2,0 mgon (unter Zenit., sigma a)
- Fehler Höhendiff: 4 mm (unter Hoehenunt., sigma a)
- Refraktionskoeff. 0,13 (unter Zenit, Refr. )

- GK, als KoordSystem (unter Einstellungen, Projektionseinst.)
Liege ich da richtig?

Zum Anderen welche sonstigen Einstellungen sind in 3D-Form zu treffen um eine gaengige Zwangausgleichung mit Fehlerellipsen der selben Groessenordnung, wie die StandAbweichungen, zu erhalten? Aehnlich der Katasterberechnungen..

Gruss

Florian

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 09:04 (5 days ago) @ FA

Hallo Florian,

Nach einiger Zeit der Selbstversuche nun meine Frage, liege ich bei den Einstellungen richtig?

Das kann ich Dir nicht direkt beantworten. Kafka kann meines Wissens keine 3D-Ausgleichung, sondern zerlegt das Problem in getrennte 2D und 1D-Probleme. Aus diesem Grund sind Ergebnisse, die einen völlig anderes funktionales Modell verwenden, nicht vergleichbar. Diese Aussage trifft allgemein zu und beschränkt sich nicht auf Kafka. Auch Caplan, Neptan oder NetzCG sind hier zu nennen.

Programme, die den Import von räumlichen Daten (Schrägstrecke und Zentiwinkel) erlauben, leiten aus diesen Daten intern die horizontale Strecke und den Höhenunterschied ab. Bei unserem o.g. Vergleich haben wir festgestellt, dass hierbei mitunter auch Reduktionen angebracht werden, die der Nutzer nicht aktivieren/deaktivieren kann. Die horizontale Strecke ergibt sich daher nicht aus der reinen Trigonometrie. Ich empfehle daher bei Vergleichen stets die Daten so aufzubereiten, dass wirklich jedes Programm identische Daten nutzt und eine interne intransparente Modifizierung der Daten unnötig wird.

Das klassische Kataster trennt die Lage von der Höhe und kennt daher kein gemeinsam definiertes echtes 3D-Netz. Wenn Du also eine Katastermessung auswertest, dann wirst Du um die Zerlegung des 3D-Netzes in ein 2D und 1D Netz nicht drum herumkommen. Alles andere wäre keine sachgerechte Ausgleichung.


-Richtungsmessgenauigkeit: 1,5 mgon (unter Hz, sigma a)
- Zielpunktexzentr.: 2 mm (unter Raumstr., NullPktAbw.)
- Streckenmessgenauigkeit: 3 mm (unter Raumstr., sigma a)
- entfernungsabh. Anteil: 3 mm/ km (generell Beob., sigma c(d))
- ZenitGenauigkeit: 2,0 mgon (unter Zenit., sigma a)
- Fehler Höhendiff: 4 mm (unter Hoehenunt., sigma a)
- Refraktionskoeff. 0,13 (unter Zenit, Refr. )

Diese Werte können bei den jeweiligen Punkt- bzw. Beobachtungsgruppen individuell vorgegeben werden, siehe hierzu Datentabellen und Gruppeneinstellungen. Wie diese Werte zur Bildung des stochastischen Modells verwendet werden, findet sich hier.

- GK, als KoordSystem (unter Einstellungen, Projektionseinst.)
Liege ich da richtig?

Wenn Du das Netz nicht in ein Lage- und Höhennetz trennst, liegst Du nicht richtig. GK ist eine Projektion und der Name impliziert bereits, dass es nur ein 2D-Netz ist. Raumstrecken und Zenitwinkel existieren demnach in diesem Netztyp nicht, wie diese Tabelle zeigt. Beachte bitte den Hinweis für die Beschreibung zu den Projektionseinstellungen: "Im Rahmen einer zweidimensionalen Ausgleichung (2D und 2,5D) mit amtlichem Bezug führt JAG3D die hierfür notwendigen Abbildungsreduktionen optional durch."

Zum Anderen welche sonstigen Einstellungen sind in 3D-Form zu treffen um eine gaengige Zwangausgleichung mit Fehlerellipsen der selben Groessenordnung, wie die StandAbweichungen, zu erhalten? Aehnlich der Katasterberechnungen..

Da im Kataster keine echten 3D-Netze existieren, erübrigt sich diese Frage eigentlich. Trenne die Lage von der Höhe für eine sachgerechte Katasterauswertung und um vergleichbare Ergebnisse zu gängigen Katasterprogrammen zu erhalten. ;-)

Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by FA @, Tuesday, September 10, 2019, 09:28 (5 days ago) @ Micha

Hallo, Michael.
Es ist mir schon klar das GK ein 2D Model ist. Ist dann bei Jag 3D generell keine Möglichkeit vorhanden in diesem Modell Höhen auszuwerten und zu bestimmen?!?

Auch das Kafka Raum und Lage getrennt auswertet ist mir bewusst.

Wie auch die Einstellungen der Standardabweichungen.
Fakt ist es existiert kein Handbuch und daher beseelt mich eine gewisse Unsicherheit.
Das ist der Punkt.
Wie auch folgender:
Wenn ich eine Zwangsausgleichung in GK und Raum durchführen möchte, habe ich welche Einstellungen für die Ausgleichung fern ab der STandardabweichungen zu treffen?

Entscheidend sind sicher die Parameter zur Ausgleichungseinstellungen!?
Worauf habe ich da zu achten?
Und was sagt der P - Wert simpel gesagt genau aus?

Gruß

Florian

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 12:24 (5 days ago) @ FA

Hallo Florian,

Es ist mir schon klar das GK ein 2D Model ist.

Dann verstehe ich Deine bisherige Vorgehensweise nicht. Diese spiegelt dies so nicht unmittelbar wider.

Ist dann bei Jag 3D generell keine Möglichkeit vorhanden in diesem Modell Höhen auszuwerten und zu bestimmen?!?

Doch, und zwar genauso, wie es Kafka, Neptan usw. auch tun, als 2,5D, 2D+H oder 2D/1D-Auswertung (und was es noch für Bezeichnungen gibt) aber eben nicht als 3D-Auswertung. Die 2D+H Auswertung ist letztlich nichts anderes als eine g e t r e n n t e 1D und 2D-Auswertung, die in den meisten Programmen einfach nacheinander ablaufen. In JAG3D werden diese zwar gemeinsam ausgewertet, aber die Nebendiagonalblöcke der Normalgleichung sind alle Null, sodass eine gemeinsame Ausgleichung identische Ergebnisse liefert wie eine getrennte Auswertung. Die getrennte wird aber schneller sein aufgrund der jeweils kleineren Teilprobleme.

Um den Unterschied noch etwas zu verdeutlichen: Ich vergleiche es mal mit einem Werkzeugkoffer. Wenn Du mit einem der genannten Programme arbeitest, hast Du ausschließlich einen Schraubenzieher in Deiner Toolbox. JAG3D hat nun neben diesem Schraubenzieher noch einen Hammer in der Kiste. Du versucht nun mit dem Hammer die Schraube zu versenken mit JAG3D anstatt naheliegend auch hier den Schraubenzieher zu verwenden - und wunderst Dich, warum die Schraube nun krum ist.

Fakt ist es existiert kein Handbuch und daher beseelt mich eine gewisse Unsicherheit.

Das ist ebenso falsch. Das im letzten posting mehrfach zitierte Wiki ist das Handbuch. Es wird auch innerhalb von JAG3D referenziert.

Wenn ich eine Zwangsausgleichung in GK und Raum durchführen möchte

... dann willst Du scheinbar nicht verstehen, dass es in GK oder UTM kein Raumnetz gibt. Die Lage und die Höhe sind getrennt definiert.

Entscheidend sind sicher die Parameter zur Ausgleichungseinstellungen!?

Nein, entscheidend sind die Daten, die der Anwender zur Verfügung stellt und den Zweck den er verfolgt. JAG3D ist nur das Werkzeug und hinterfragt die Sinnhaftigkeit eines Vorhabens daher nicht.

Worauf habe ich da zu achten?

Das Deine Daten zu den gewünschten Anforderungen passen. Wenn GK oder UTM gefordert ist, ist es eben kein 3D-Netz und lässt sich auch nicht als solches auswerten.

Und was sagt der P - Wert simpel gesagt genau aus?

JAG3D nutzt für Kurzerklärung den Tooltip. Dort findest Du eine kurze Beschreibung, ansonsten auch im Wiki. Ansonsten weiß auch Wikipedia, was der P-Wert ist.


Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by Pierre, Tuesday, September 10, 2019, 13:49 (5 days ago) @ FA

Hallo,

mal so zwischen Tür und Angel ... aber vielleicht hilft es ja.

Lagenetz (GK) und gemessene Höhenunterschiede in einer Ausgleichung:

Als Beobachtungen die Richtungssätze (1 Gruppe pro Richtungssatz), Horizontalstrecken! und gemessenen Höhenunterschiede (trigon. oder geometrisch oder sonst woher) einführen.

Bei der "Zwangsausgleichung" die datumsbestimmenden Punkte als Festpunkte und alle weiteren Punkte (Stand-, Verknüpfungs- Objektpunkte usw.) - mit ihren Näherungskoord. - als Neupunkte definieren.

Bei den Projektionseinstellungen ist die GK-Reduktion zu aktivieren und die Höhenreduktion. Sofern in den Näherungskoord. keine Höheninformationen vorliegen ist noch die mittlere (ellipsoidische) Höhe einzugeben.

@Micha
Dort müsste doch die ellipsoidische Höhe rein oder bzw. hast Du eine Undulation fest im Programm verankert und ist dort die Gebrauchshöhe einzutragen?

Dann sollte das eigentlich funktionieren ...;-)

Beim stochastischen Modell noch die folgenden Hinweise (was mir so auffällt) wobei ich die Größenordnung der Angaben natürlich nicht bewerten kann!

Der $\sigma_a$ Betrag ist immer der absolute Unsicherheitsbetrag, die anderen beiden sind streckenabhängig. Bei den Richtungen ist somit unter $\sigma_c$ die Unsicherheit der Anzielung, Zentrierung usw. in Querrichtung anzugeben. In Längsrichtung ist eine Zentrierunsicherheit bspw. im konstanten Anteil der Strecke zu berücksichtigen, sofern man dies denn möchte.

-Richtungsmessgenauigkeit: 1,5 mgon (unter Hz, sigma a)

Wenn da der konstante Anteil der Richtungsmessgenauigkeit ist = korrekt.

- Zielpunktexzentr.: 2 mm (unter Raumstr., NullPktAbw.)

Leider nein! So wie oben beschrieben die Unsicherheiten der Zentrierung, Anzielung usw. als $\sigma_c$-Anteil bei den Richtungen und nach Bedarf im konstanten Anteil der Strecken berücksichtigen.

- Streckenmessgenauigkeit: 3 mm (unter Raumstr., sigma a)
- entfernungsabh. Anteil: 3 mm/ km (generell Beob., sigma c(d))

An der richtigen Stelle angegeben, aber bitte bei den Horizontalstrecken!

- ZenitGenauigkeit: 2,0 mgon (unter Zenit., sigma a)

Soweit korrekt ggf. ist hier unter $\sigma_c$ noch eine Anzielgenauigkeit (Anteil in vertikaler Richtung) zu berücksichtigen.

- Fehler Höhendiff: 4 mm (unter Hoehenunt., sigma a)

Wenn die Höhenunterschiede nur mit einem konstanten Anteil angegeben werden sollen, dann unter $\sigma_a$ korrekt und den $\sigma_b$-Anteil dann 0 setzen.

- Refraktionskoeff. 0,13 (unter Zenit, Refr. )

Den würde ich bei 0 belassen.

Die Hinweise von Micha würde ich mir zu Herzen nehmen, ebenso wie das Wiki!

Viele Grüße
Pierre

P.S. Geht es denn hier um die "katasterkonforme" Ausgleichung eines Netzes (mal die höhen außen vorgelassen)?

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 13:58 (5 days ago) @ Pierre

Hej Pierre,

@Micha
Dort müsste doch die ellipsoidische Höhe rein oder bzw. hast Du eine Undulation fest im Programm verankert und ist dort die Gebrauchshöhe einzutragen?

Ersteres. Dort muss die ellipsoidische Höhe rein. Da diese Einstellung aber nur für horizontale Strecken gilt, hängen wir noch nicht an diesen Feinheiten. ;-)

Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by FA @, Tuesday, September 10, 2019, 18:02 (5 days ago) @ Micha

Erstmal vielen Dank für die Mühen.

Ich habe alles so umgesetzt.
Aber das Hauptproblem bleibt vorhanden.
Die Fehlerellipsen sind immer noch wesentlich höher als diese bei den Standardabweichung in Y,X und Z sein sollten.
Mein Frage, welche Einstellungen muss ich für die Zwangsausgleichung treffen. Nur als allgemeine Häkchen etc..?
Es kann nur daran liegen.

Bitte machen Sie sich frei vom allgemeinen Kataster. Meine Aussage war nur das ich das Programm "Kafka" viele Jahre für diese Zwecke nutzte.

Wie gesagt, nur die Einstellungen der Ausgleichung!?

Danke

Freundlicher Gruß

Florian Altner

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 18:12 (5 days ago) @ FA

Hallo Florian,

Die Fehlerellipsen sind immer noch wesentlich höher als diese bei den Standardabweichung in Y,X und Z sein sollten.

Mir ist nicht klar, woran Du das festmachst. Hast Du das Netz nun als 2D-Netz ausgewertet oder nicht? Bei einem 3D-Netz werden die Ellipsen zwar geplottet aber numerische Werte werden nirgends ausgegeben, da der Konfidenzbereich hier durch ein Ellipsoid beschrieben wird.

Mein Frage, welche Einstellungen muss ich für die Zwangsausgleichung treffen. Nur als allgemeine Häkchen etc..?
Es kann nur daran liegen.

Dass es nicht nru daran liegen muss, zeigt diese Diskussion hier. Gleiche Ergebnisse sind nur bei identischen Eingangsdaten erwartbar. Wenn also alles gleich wäre, würde es auch keine Unterschiede geben.

Wenn es nur Fest- und Neupunkte im Projekt gibt, ist es automatisch eine Ausgleichung mit varianzfreien Festpunkten, die ihrerseits Zwang ausüben. Wenn es eine dynamische Ausgleichung sein soll, sind Anschlußpunkte mit Unsicherheiten zu wählen. Auch hierzu findet sich einiges in der Dokumentation.

Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by gf, Tuesday, September 10, 2019, 19:10 (5 days ago) @ FA
edited by gf, Tuesday, September 10, 2019, 19:20

Die Fehlerellipsen sind immer noch wesentlich höher als diese bei den Standardabweichung in Y,X und Z sein sollten.

Gehst Du beim Vergleich der Ellipsen von gleicher Konfidenz aus? Mein Verständnis ist, dass die gewünschte Konfidenz, die neben der Kovarianzmatrix die Größe der Fehlerellipsen bestimmt, in Einstellungen -> Teststatistik -> Irrtumswahrscheinlichkeit festgelegt wird. Der voreingestellte Wert ist offenbar 0.1%. Ellipsen für 1% oder gar 5% Irrtumswahrscheinlichkeit würden natürlich wesentlich kleiner ausfallen.

@Micha, btw., gibt es einen zwingenden Grund, für den Hypothesis/Outlier-Test und für die Fehlerellipsen die selbe Irrtumswahrscheinlichkeit zu benutzen?

Grüße
gf

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 22:05 (4 days ago) @ gf

Hallo gf,

@Micha, btw., gibt es einen zwingenden Grund, für den Hypothesis/Outlier-Test und für die Fehlerellipsen die selbe Irrtumswahrscheinlichkeit zu benutzen?

Nein. Die Motivation ist hier, dass in beiden Fällen der Konfidenzbereich benötigt wird. Frage ich mal andersherum: Welcher (fachliche) Grund besteht, einmal einen kleineren Bereich zu akzeptieren und im selben Analyseschritt an anderer Stelle diesen als nicht ausreichend groß zu empfinden?

Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by gf, Wednesday, September 11, 2019, 20:36 (4 days ago) @ Micha

@Micha, btw., gibt es einen zwingenden Grund, für den Hypothesis/Outlier-Test und für die Fehlerellipsen die selbe Irrtumswahrscheinlichkeit zu benutzen?

Nein. Die Motivation ist hier, dass in beiden Fällen der Konfidenzbereich benötigt wird. Frage ich mal andersherum: Welcher (fachliche) Grund besteht, einmal einen kleineren Bereich zu akzeptieren und im selben Analyseschritt an anderer Stelle diesen als nicht ausreichend groß zu empfinden?

Hallo Micha, hier mal ein Beispiel. Ich habe z.B. ca. 150 Beobachtungen, darin sind 3 Ausreißer enthalten. Mit 0.1% werden diese gerade noch nicht als solche klassifiziert, mit >=1% aber schon.

Wenn ich alle drei Ausreißer entferne, dann verbessert sich der Gesamtvarianzfaktor um Faktor 2 (von ca. 1.2 auf ca. 0.6). Dann war es m.E. doch wert, diese Ausreißer zu entfernen, denn die verbleibenden 147 Beobachtungen passen nun doch wesentlich besser zueinander?

Die Ellipsen möchte ich aber dennoch gerne aus den verbleibenden 147 Beobachtungen nicht für 1%, sondern für 0.1% Irrtumswahrscheinlichkeit berechnen (um die Gesamtwahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Punkt aus seiner Ellipse ausbricht, gering zu halten).

Viele Grüße
gf

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Thursday, September 12, 2019, 07:59 (3 days ago) @ gf

Hallo gf,

Ich habe z.B. ca. 150 Beobachtungen, darin sind 3 Ausreißer enthalten. Mit 0.1% werden diese gerade noch nicht als solche klassifiziert, mit >=1% aber schon.

Ja, da Du mit der Erhöhung auf 1 % die Grenze nach unten verschiebst. Oder anderes ausgedrückt: Von 100 Beobachtungen wirst Du bei 1 % genau eine Beobachtung als Ausreißer einstufen, die kein Ausreißer war (Fehler 1. Art). Ob es also drei Ausreißer waren (oder vielleicht sogar keiner) wirst Du nicht erkennen. Ein kleineres α verringert demnach das Risiko, einen Fehler 1. Art zu machen (fehlerfreie Messungen als falsch einzustufen).

Wenn ich alle drei Ausreißer entferne, dann verbessert sich der Gesamtvarianzfaktor um Faktor 2 (von ca. 1.2 auf ca. 0.6).

Bitte beachte, dass Du dies konsekutiv machen musst. Die Hypothese ist so formuliert, dass es nur eine falsche Beobachtung im Datenbestand gibt. Werden mehrere angezeigt, könnte es sich um eine Verschmierung handeln. In diesem Fall wird empfohlen, nur die Beobachtung mit der größten Teststatistik zu eliminieren. Anschließen die Ausgleichung wiederholen und wiederum nur die größte Teststatistik bewerten (und ggf. eliminieren).

Das sich die Varianz verringert ist naheliegend. Du entfernst Daten, die eine große Verbesserung hatten, wodurch sich ohne diese Messungen natürlich eine kleinere Verbesserungsquadratsumme einstellt. Dies wird mit jeder Reduktion des Datenbestandes passieren, bis irgendwann ein widerspruchsfreies Set an Messungen vorliegt und keine Verbesserungen mehr bestimmbar sind.

Dann war es m.E. doch wert, diese Ausreißer zu entfernen, denn die verbleibenden 147 Beobachtungen passen nun doch wesentlich besser zueinander?

Du kannst abschätzen, ob sich die Eliminierung gelohnt hat. Die Redundanz zeigt an, wie gut eine Beobachtung durch die übrigen kontrolliert wird. Ein r=0,9 bedeutet, dass diese Messung zu 90 % von den übrigen Messungen kontrolliert wird. Gleichzeitig kann man aber auch den Anteil der Beobachtung auf die Schätzung mit der Redundanz ausrechnen, dieser beträgt (1 - r) % = 10 %. Bedeutet also, dass lediglich 10 % der Information, die diese Beobachtung mitbringt, in die finale Lösung einfließt. (Kleines Beispiel: Ein Mittelwert aus 10 Messungen bedeutet, dass jede Messung einen Anteil von 1/10 auf den geschätzten Mittelwert besitzt. Die anderen 9/10 werden durch die anderen Messungen beigesteuert.)

Der Anteil, den die Beobachtung auf die Schätzung hat, kann auf den möglichen groben Fehler übertragen werden. In JAG3D wird diese Störgröße als (Nabla) ausgegeben. Nehmen wir an, ∇ = 10 mm und r = 0,9, dann geht diese vermutete Störgröße auch nur zu (1 - r) 100 % = 10 % in den Schätzwerten auf, hier also 1 mm. In JAG3D wird dieser Wert als EP (Einfluss auf die Punktlage) bezeichnet. Bitte beachte, dass die Formeln dort etwas komplexer sind, da die o.g. Rechnung nur gilt, wenn die Beobachtungen keine Zusatzunbekannten haben. Für Richtungsmessungen muss bspw. die Orientierung noch berücksichtigt werden.

Du könntest so also überschlagen, ob sich das Eliminieren tatsächlich gelohnt hat oder ob es eher einen akademischen Wert besitzt.

Die Ellipsen möchte ich aber dennoch gerne aus den verbleibenden 147 Beobachtungen nicht für 1%, sondern für 0.1% Irrtumswahrscheinlichkeit berechnen

Dies bedeutet, bei der Punktlage würdest Du extremere Ausprägungen akzeptieren als bei Deinen Messungen? Ich stelle mir eine Deformationsanalyse vor. Sowohl eine Höhenmessung (Nivellement) als auch ein Höhenpunkt besitzen die selbe Varianz und das selbe . Die Messung würdest Du also verwerfen mit 1 %, die Deformation aber mit 0,1 % akzeptieren.

Um Deinen Wunsch aber zu entsprechen, müsstest Du tatsächlich noch eine zusätzliche Auswertung ganz am Ende machen. In der ersten Analyse bewertest Du dann ausschließlich die Beobachtungen mit einem gewünschten α = 1 %. Anschließend müsstest Du das α = 0,1 % neu festlegen, damit Du für die Koordinaten die gewünschten Intervalle erhältst. Bitte beachte, dass Du hierfür auf eine Abstimmung der Teststatistiken verzichten musst, da sonst das abgestimmte α verwendet wird, welches Du bei den globalen Ergebnissen siehst.

Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by Pierre, Tuesday, September 10, 2019, 19:41 (5 days ago) @ FA

Nabend,

natürlich ist in den Einstellungen, Teststatistik noch die gewünschte Irrtumswahrscheinlichkeit (bspw. 5 %) einzustellen, aber das ist wahrscheinlich klar. Einstellungen für den gewünschten Netzanschluss (Zwang usw.) gibt es nicht explizit. Das wird allein durch die Zuordnung der Punktklassen vorgeben (siehe Wiki), so dass keine weiteren Einstellungen vorzunehmen sind.

Aber das Hauptproblem bleibt vorhanden.
Die Fehlerellipsen sind immer noch wesentlich höher als diese bei den Standardabweichung in Y,X und Z sein sollten.

Daraus entnehme ich mal, dass der Rest soweit klar ist und funktioniert. Somit sollen jetzt im Report, Tabellen und im Plot von JAG3D noch die Fehlerellipsen erscheinen?

JAG3D gibt aus guten Grund (die Erklärung spare ich mir) die Konfidenzellipse aus. JAG3D gibt keine Fehlerellipse aus, würde ich mal sagen und dafür gibt es auch keine Einstellung wo die Ausgabe umgeschaltet wird. Andere Programme bieten hier eine Auswahl (Fehler- oder Konfidenzellipse) an, das ist richtig.

Unabhängig ob dies nun für sinnvoll oder nicht erachtet wird, ist hier Micha gefragt, ob dies realisierbar ist.

Natürlich kann man über eine kleinere Irrtumswahrscheinlichkeit die Größe der Konfidenzellipse beeinflussen ... aber dies beeinflusst im Weiteren ja auch direkt die statistischen Tests usw. ... somit ehr keine gute Idee.

Viele Grüße
Pierre

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 22:10 (4 days ago) @ Pierre

Hi,

Unabhängig ob dies nun für sinnvoll oder nicht erachtet wird, ist hier Micha gefragt, ob dies realisierbar ist.

Ja, das könnte ich noch implementieren. Aber die einfachen Konfidenzbereiche decken im 2D-Fall (Ellipse) nur 39,35 % und im räumlichen Fall (Ellipsoid) nicht mal 20 % ab. Wenn hier aber tatsächlich Bedarf besteht, könnte ich eine Checkbox noch integrieren.

Viele Grüße
Micha

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Einstellung Zwangsausgleichung

by Pierre, Tuesday, September 10, 2019, 19:59 (5 days ago) @ Micha

Nabend Micha,

da stimme ich Dir zu. Beim "echten" 3D-Netz wird die Höhe zur Reduktion laut Wiki aus den z-Werten der Punkte abgeleitet. Dann gehe ich davon aus, dass diese Höhen auch nicht weiter verändert/umgerechnet werden. Auf welche "Ersatzfläche" wird dann die Höhe reduziert, auf eine Schmiegungskugel o. ä. - hast Du hier ein praktischen Anwendungsfall als Beispiel?

Viele Grüße
Pierre

Einstellung Zwangsausgleichung

by Micha ⌂ @, Tuesday, September 10, 2019, 22:18 (4 days ago) @ Pierre

Hi,

es muss ein 2D+H Netz sein und kein reines 3D-Netz. In diesem Fall wird nicht die (mittlere) Höhe aus den Projektionseinstellungen verwendet sondern die Höhen der beiden Punkte, zwischen denen die Beobachtung vorliegt. Es sind also die Standardgleichungen die u.a. Joeckel/Stober angeben.

Viele Grüße
Micha

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