effektivere Bewertung/Anpassung des Ausgleichungsmodells

by htw9056, Friday, February 12, 2021, 08:18 (24 days ago) @ Micha

Ich kann Deine Vorgehensweise nachvollziehen, möchte sie aber nicht unterstützen. Ich re-gewichte einzelne Beobachtungen nicht, wenn diese auffällig sind, sondern entferne diese vollständig. Was habe ich von einer heruntergewichteten Beobachtung? Der Redundanzanteil r wird gegen Eins streben, sodass mit (1-r) der Anteil dieser Beobachtung am Ausgleichungsergebnis homöopathisch wird.

Ich sehe leider keine Rechtfertigung für Deine beschriebene Vorgehensweise: Ein EDM bspw. misst nicht eine Strecke genauer als eine andere oder hat mal einen schlechten Tag.

Es ist korrekt, dass ein EDM immer die gleichen Ergebnisse liefert. Das ist aber nur eine Komponente der erzielten Streckengenauigkeit. Man darf nicht vergessen, dass schlussendlich der Bediener die Ergebnisse wesentlich beeinflusst.
Wenn ein Punkt zweimal unabhängig voneinander angemessen wird, kann die Zentrierung beim ersten mal mittels Stativ und beim zweiten mal durch Aufstellen eines Prismenstabes erfolgen. Wenn beim Signalisieren des Punktes nicht exakt gearbeitet wird, hat man Mithilfe der Ausgleichung eine Möglichkeit diesen "leichten" Fehler zu erkennen und entsprechend im Ausgleichungsmodell zu bewerten.
Man könnte argumentieren, dass die Arbeit immer in Zwangszentrierung zu erfolgen hat, aber in der Praxis ist das meiner Meinung nach nicht immer möglich. Ebenso könnte man eine neue unabhängig dritte Messung einführen, aber dies ist oft aus wirtschaftlichen Gründen nicht denkbar. Ich möchte damit sagen, dass die vorliegenden Messelemente in Einzelfällen eine individuelle Gewichtung erhalten sollten. Meiner Erfahrung nach liegt der Anteil bei ca. 1-5% der Messelemente. Wenn der Prozentsatz überschritten wird, muss man sich allerdings schon Fragen, ob das richtige Messkonzept, geschultes Personal und geeignete Technik verwendet wurden. Die Messungen sollten in diesem Fall wiederholt werden.

Bei der Messung von Richtungen sehe ich die menschliche Komponente gleichermaßen stark Einfluss nehmend und die daraus resultierende Vorgehensweise analog zu den Strecken gegeben.

Bei der Auswertung von GNSS-Basislinien ist die Genauigkeit der einzelnen Basislinie von der Satellitenkonstellation, der Satellitenanzahl, der Satellitensignale und weiterer Störeinflüssen abhängig. Die Anzahl der Wiederholungen ist wesentliches Kriterium für ein statistisch gesichertes Ergebnis. Die hat zur Folge, dass es eine Vielzahl von Messungen gibt, die im Ausgleichungsmodell bewertet und ggf. unterschiedlich gewichtet werden.
Die menschliche Komponente, kann hier weitestgehend vernachlässigt werden. Das sind zumindest meine praktischen Erfahrungen.

Die Verwendung von individuellen Messunsicherheiten empfehle ich ausdrücklich nicht (oder nur im begründeten Ausnahmefall).

Das kann ich auch so bestätigen und genau um diese Ausnahmefälle (ca. 1-5%) geht es mir. Eine andere Verfahrensweise würde ich auch nicht unterstützen.


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